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Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn e. V.
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Münchner Merkur, Lkr.-Süd, 15.12.2011

Auf Weltreise mit Pauken und Trompeten

Blasorchester Höhenkirchen-Siegertsbrunn vor Großleinwand mit Modest Mussorgsksys „Bilder einer Ausstellung“
VON MANFRED STANKA

Münchner Merkur, 15. 12. 2011Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Es ist an der Zeit, wieder einmal vom „samtigen Hörnerklang“ oder virtuosen Einsätzen der Holzbläser zu schwärmen. Den Anlass dazu gibt wieder einmal das Symphonische Blasorchester Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Dabei sind es zunächst gewaltige Paukenschläge. die Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ in der raffinierten Klangfarbenkunst von Maurice Ravel einleiten.

Der Japaner Tokahashi lieferte das Arrangement für Blasorchester, und Dirigent Bernhard Willer gewinnt dieser Mischform an Klavieroriginal und zwei Orchesterüberarbeitungen eine scharfkantige Profilierung ab, wobei er den kratzbürstigen Feinheiten der Partitur noch mehr Beachtung schenkt als dem feierlichen Pomp durchs „große Tor von Kiew“, das nie erbaut wurde. Es war nur der Bauentwurf eines Tores im alt russischen Stil von dem Architekten und eher zweitklassigen Maler Viktor Hartmann. Aber dieser entzündete den entscheiden Funken und inspirierte den genialen russischen Bürgerschreck zu einem effektvollen Finale.

Hoch oben auf dem Gipfel der Bläsersymphonik entfaltet dieses Panoptikum eine ungeschmälerte Suggestionskraft. Musste man früher nach Japan schauen oder in die USA, wenn man BIasorchester der Spitzenklasse hören wollte, so gehört das in drei Formationen aufgeteilte Orchester heute eben doch auch dazu .

Es ist eine melodisch frische, ungeniert-romantische und wirklich zündende Promenade, durch die der Maestro sein großbesetztes Ensemble an einer symphonischen Bilderschau vorbeileitete. Die Bläserbesetzung fordert natürlich neue Hörgewohnheiten, aber Musikern, denen es gelingt, gebrochene Akkorde in Sextolen leicht und fließend darzustellen, für die ist schier nichts unmöglich. Da ist eine erstaunliche Geschliffenheit am Werke, und die herrliche Klarinettenkantilene im Mittelteil des „Marktplatzes auf den Tuilerien“ singt. Der jubelnd aufschwingende Bläsereinsatz der Musiker, die übergreifende Spannungsbögen herausarbeiten und zyklische Geschlossenheit zu expressiven Uberzeichnungen führen, begeistert.

Das Jugendblasorchester dampft mit „The Polar Ex¬press“ von Alan Silvestri zwar zum Polarkreis ab, landet aber mit einer riesigen Klangfarbenpalette in Hollywood. Die Spielfreude und das Können der Buben und Mädchen wird von Kinderflüsterer und Dirigierphänomen Konrad Sepp auf Hochtouren gelenkt. Und Sonja Unglaub führt mit profunder Rhythmik das große Blasorchester mit Elefantentrompeten und Japan-Exotik durch die „Welt in 80 Tagen“.

Kommentar unter dem Bild:

Transposition als Freud‘ oder Leid

Braucht Musik vorgefertige Bilder? Natür­lich, zur Inspiration und als Teil eines Films neben Kamera, Schnitt, Inszenierung. Wenn der Komponist Alex North in dem Klassiker“ Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ die Zänkereien des alternden Ehe­paars mit einer an Bach angelehnten sat­ten Chaconne unterlegt. so wird die unter­schwellige Liebe des Paares hörbar, sie vervollständiqt das Bild. Musik ruft Erinnerung zurück und sie beflügelt die Malerei. Ist aber eine Transposition von einem Medi­um, der Malerei, in ein anderes, die Musik, immer ein glückliches Vorhaben ? Wohl nicht. Ein zugegeben exquisiter Videofilm, der zwischen Strukturalismus und rhythmi­scher Abstraktion meist geometrische For­men als Taktschläger herumjagt, kommt einer Visualisierung von Modest Mussorgskys Musikzyklus „Bilder einer Ausstellung“ nicht nahe. Da diese Musik schon eine Transposition für Blasorehester glänzend überstanden hat, braucht es weder Fremd­effekte noch Erklärungen per Leinwand. Solch ein zeittypisches multimediales Unter­fangen stört eher und lenkt die Fantasie der Zuhörer ab.

 
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