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Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn e. V.
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14.4.2013

Ein musikalisches Großereignis  (Münchner Merkur, Lkr-Süd, 3.April 2013 )

Junge Talente geben den Ton an: Der Nachwuchs der Blaskapelle treibt die musikalische Energie ins Publikum

Jede Note ist ein Ereignis beim Frühjahrskonzert der Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Ganz zum Schluss erschütterte dann noch ein symphonischer Hammerschlag im Marschrhythmus die Mehrzweckhalle.

VON MANFRED STANKA Höhenkirchen-Siegertsbrunn –

Der altehrwürdige, immer effektvolle „Bayerische Defiliermarsch“ erhält unter der Stabführung von Konrad Sepp geradezu monumentale Ausmaße. In weiß-blauem Parade-Überschwang klingen Tutti-Schläge länger als sonst, Bläser triumphieren, die solistisch exzellieren dürfen. Rhythmische Laxheit ist nirgends zu finden, und so bewahrt das in zahllosen Facetten auftrumpfende Zusammenspiel von 150 Musikern Saft und Kraft. Für Adrenalin-Schübe wird zuverlässig gesorgt. Mit dem „Defiliermarsch“ beendete einst die Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn ihre Konzerte und die Wiederbegegnung mit dieser Tradition geriet zum musikalischen Großereignis.

Weit über 500 Zuhörer füllten den Saal und Organisatorin Ingrid Sepp war zugleich geschockt und überglücklich. Wohin mit all diesen Fans? Schließlich pilgerten bereits 350 Besucher zum Frühjahrs-Konzert am Vortag. Aber dieser sonntägliche Zulauf übertraf alles.

Überhaupt: Das Konzert hielt zahlreiche Überraschungen parat. So stellten einzelne Ensemblemitglieder die Programmstücke selbst vor und zeichneten dann unisono ein „Gershwin Porträt“. Die dynamische Gestaltung der Blechbläser durch das Jugendblasorchester unter Konrad Sepp ist herausragend und dürfte im klaren Wechsel von Solo- und Tutti-Passagen ziemlich genau dem entsprechen, was sich Gershwin so vorgestellt hat.

„Nice work if you can get it“ treibt die Energie förmlich vom Podium ins Publikum. Der langsame Mittelteil der .Rhapsody in Blue“ wird mit viel Pomp und Schmalz umge¬setzt, ist aber trotzdem nicht zu kitschig.

Latino-Sound mit dem Symphonischen Blasorchester unter Bernhard Willer. Laszive Possaunenglissando verströmen südamerikanisches Flair und über den wunderbar weichen Ensembleklang kann man nur schwärmen. Artikulatorisches oder Klangfarben bestimmen das Ergebnis bei Arturo Marquezs „Conga del Fuego Nuevo“ oder dessen „Danzon No. 2“. Der Klang ist hier stärker fokussiert, schillert, und fetzige Rhythmen finden sich allemal.

Nach der Pause formieren sich acht bis zehnjährige Buben und Mädchen und stellen sich vor als der Blaskapellen-Nachwuchs. Und weil Konrad Sepp als ihr Maestro immer Stücke aussucht, die für sie nicht zu schwer sind, müssen sie zwar genau aufpassen, aber sie lachen auch viel zusammen. „Am Anfang, wenn wir die Noten noch nicht so gut spielen können, klingt es oft ganz schrecklich, aber mit der Zeit wird es schon.“ Klar ist daraus etwas Großartiges geworden. Der Auftritt der Sprösslinge geht viel zu schnell vorbei. Wie sich die jungen Talente an ein Zulu-Lied oder eine Walzerfolge von Johann Strauß heranwagen, das zeigt eine Menge Präzision und fehlende Berührungsängste zwischen musikalischen Stilsphären und Idiomen. Und die Freude am Zusammenspiel zaubert ein Lächeln auf die Gesichter des Publikums.

Große Oper für den „Einzug der Gäste auf der Wartburg“ aus Richard Wagners „Tannhäuser“. Es ist erstaunlich, welche zündende musikalische Dramaturgie Sepp diesem Ohrwurm einflößt. In enger Berührungsnähe zu Melodram oder Oper befindet sich die Musik von Ennio Morricone zu Western, wie „Spiel mir das Lied vom Tod“. Mundharmonika contra großes Blasorchester. Der Klangkörper gewinnt das Duell und ruft mit der quälend klagenden Mundharmonikamelodie genussvolle Bedrohung und Unruhe hervor. Sehr schön wird auch der epische sinfonische Charakter dieses berühmten Soundtracks gewahrt.

Die lyrischen Stellen werden von dem Dirigenten und seinem Orchester in einer kantablen Gesangslinie sehr weich nachgezeichnet. Sanfte Einzelstimmen treten momentweise hervor und ordnen sich sogleich wieder dem homogenen Klang unter. Aber der „Defiliermarsch“, das war ein ganz besonderes Glanzstück!

 

 
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