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Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn e. V.
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Münchner Merkur, Landkreis Süd, 16.4.2014

Viel mehr als Humpa-Humpa

Die Blaskapelle zeigt mit einer kleinen Suite für Solo-Tuba, wie vielseitig das Instrument ist

Von Manfred Stanka

merkurFJK2014Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Immer nur HumpaHumpa! Die Tuba hat es satt, immer nur die Begleitstimme zu spielen. Beim Frühjahrskonzert der Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn kommt das etwas kantige, vermeintlich so unhandliche schwerfällig wirkende Blechblasinstrument ganz groß heraus.
Zwar wurde es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder vereinzelt solistisch-konzertant erprobt. Doch wann schon wurde ein Tubakonzert für einen bestimmten Interpreten auf den Leib geschrieben? Und so erlebten die Besucher beim Frühlings-Konzert der immer prächtig aufgelegten Blaskapelle eine Uraufführung. Florian Schnabel, Oboist im Orchesterverband, schrieb für den Dirigenten Konrad Sepp eine Kleine Suite für Solo-Tuba und symphonisches Blasorchester „Von den Quellen der Musik“ und zusammen erarbeiteten die beiden neue artistische Möglichkeiten für die Tuba.
Das Stück selbst führt zu-rück zu den Anfängen menschlicher Existenz: Der Mensch erfährt im Gesang, im Tanz, im Gebet und auch bei ausgelassenen Festen und Vergnügungen die Macht der Musik. Musikologen wissen, dass zunächst Trommeln und Rasseln zum Einsatz kamen und doch, der Gesang entstand als das älteste Instrument noch früher. Mit Hilfe der Musik konnte der Kontakt mit den Göttern aufgenommen werden. ,
Ähnlich wie Richard Wagner in seinem „Rheingold“ webt Florian Schnabel zu „Beginn“ ein harmonisch schillerndes Gewebe. Im Solopart der Kleinen Suite werden dann die Klangräume des Instruments von den tiefsten bis zu den höchsten Lagen ausgeschritten und in halsbrecherische Artikulationsweise genutzt. Ein Solospiel von hohem virtuosen Rang ist gefordert, meisterlich wird es von Konrad Sepp beherrscht. Er fügt sich in ein Werkganzes mit phantasievoller Dramaturgie (sechs Stücke in einem), das dem Dialog zwischen Solo und Tutti reiche Chancen bietet. Mehr noch: Die Tuba, das tiefste Blechinstrument, sieht wuchtig aus. Aber wenn man die Augen schließt, und sich nur auf Konrad Sepps Spiel konzentriert, dann zeigt sie ihre filigranen Seiten. Bernhard Willer am Pult des Symphonischen Blasorchesters und sein Solist korrespondieren prächtig miteinander. Entscheidend ist aber auch das Orchester, das einen fabelhaft differenzierten Bläserklang bietet, bei dem jede Faser Holz und jeder Quadratmillimeter Blech schwingt.
„On tour“ befindet sich das Nachwuchs- und Jugendblasorchester unter Regina Bauer. Später wird die Dirigentin zur Bassklarinette greifen und mit einem Instrument, das einst der Staatskapelle Dresden angehörte, unten im Orchester brillieren. Zunächst aber gibt sie den Einsatz vom Pult aus. Ein Paso doble und Arabian Dances sind angesagt und die jüngeren Musiker treffen den geforderten Stil punktgenau. Sie lassen den Klang ohne Bodenschwere tanzen, sie swingen mit musikalischem Engagement und haben diesen fetzig urbanen Rhythmus drauf, der einfach dazu gehört. Wie so oft als Zuhörer der Höhenkirchen-Siegertsbrunner Konzerte staunt man über die instrumentale Virtuosität der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, glaubt sie nie so gut gehört zu haben. Was nicht stimmt, denn bei allen Anlässen sind die Musiker eine Klasse für sich. Die musikalische Qualität ist also konstant.
Ein Ensemble der Superlative also, das sich – und das musste sein – eine Marimbaphon für 7000 Euro bei einem holländischen Instrumentenbauer bestellt hatte. Seine Größe dürfte weit über zwei-einhalb Meter sein und es umfasst fünf Oktaven. Schon als Schauwert rechts oben auf dem Orchesterpodium verdient es Aufmerksamkeit. Es ist den Percussionisten anvertraut und allein aus diesem Grunde, wären einige Schlagzeug-Novizen willkommen. Wunderbar fügt sich der Klang dieser Neuanschaffung in den Bläsersound ein und letztlich ist diese Anschaffung ein Geschenk an das Publikum. Schließlich profitiert es durch einen noch farbintensiveren Hörgenuss und eine Erweiterung des Repertoires. Allein der nächste Programmpunkt lieferte den Beweis.
Die von Ronan Hardiman komponierte Musik zu Michael Flatleys „Lord of the Dance“ mit ihren irischen Klängen und den sich einbrennenden Flötenmelodien (Sonderapplaus für die Flötenformation des Großen Blasorchesters) ist nicht verbraucht. Helden und Schurken, Geister und Elfen befinden sich im ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Die Liebe triumphiert!.
Aber es triumphiert auch das Große Blasorchester unter Sonja Unglaub, das mit seinem nahezu elektrisierenden Zugang zur Musik, sein Gespür für Form und Rhythmus überwältigt. Da steppt nicht nur der Bär, sondern eine Interpretation, die auch noch Farben blühen lässt. Es hätte nur einer im Publikum aufstehen und steppen müssen. Der Saal wäre ihm, angeführt von Elfenkönigin und Bürgermeisterin Ursula Mayer, auf Anhieb gefolgt.

 
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