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Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn e. V.
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Münchner Merkur, 23. Januar 2015

Neujahrskonzert der Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Preisgekrönter Bläsersound reißt mit

von Manfred Stanka

Münchner Merkur, 23. Januar 2015

Münchner Merkur, 23. Januar 2015

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Es regnete zwar kein Konfetti beim Neujahrskonzert der Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn in der Mehrzweckhalle, dafür aber „Gold und Silber“ im gleichnamigen Walzer von Franz Lehár. Das Stück ist unwiderstehlich als sinnliche Drei-Viertel-Takt-Verführung und gehört auch wegen seiner eleganten melodischen Aufschwünge laut Dirigent Konrad Sepp zu dessen „Favoriten“. Keine rhythmische Laxheit, wunderbar phrasiert – das Orchester beweist einmal mehr, wo es seinen Platz hat – auf dem Olymp der Bläsersymphonik.

Und wenn schon das Programm von Kurven und Schwüngen geprägt ist, und die beiden Dirigenten Bern­hard Willer und Konrad Sepp aus ihrem Klangkörper alles herauskitzeln an schweren und leichten Betonungen, an seidigem Klang, forsch und federnd zugleich. Jawohl, dann muss ein so begeisternder Anlass mit einem Dekret via Kultusministerium gekrönt werden. Tatsächlich würdigte der dortige Hausherr, Minister Ludwig Spaenle, das „hohe musikalische Niveau“ und die „vorbildliche strukturelle Ausrichtung“ der Blaskapelle. Eine Jury zeichnet sie als eine von fünf Trägern mit dem Bayerischen Musikpreis 2015 aus. Mitentscheidend war wohl, dass das kulturelle, rund 200 Mitglieder umfassende Aushängeschild der Gemeinde letztlich vier Orchester erfasst und die Bandbreite des Repertoires ungeheuer weitgespannt ist. Der Preis ist zwar grundsätzlich undotiert. Auf Grund ihrer 25-Jahrfeier 2015 hat aber die Stiftung „Bayerischer Musikfonds“ die beiden Laienorchester unter den Preisträgern mit einem Preisgeld ausgestattet: Je 3000 Euro erhalten die Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn und das Puchheimer Jugendkammerorchester.

Es ist schon Tradition beim Neujahrskonzert, dass nicht nur der stramm ergötzliche „Radetzky-Marsch gespielt wird. – Der ist ein Muss, schon allein deshalb, damit sich der Zuhörer als mitklatschender, den Einsatz verpatzender Akteur beweisen kann. Zur Tradition gehört auch, dass die Mitglieder des Symphonischen Blasorchesters mit denen des großen Blasorchesters bei einem Probewochenende ein Programm erarbeiten. Eine der Früchte: die Ouvertüre von Franz von Suppes „Die schöne Galathee“. Im Mittelpunkt steht ein antikes Bildwerk, das als kolossales Luder von Venus Leben eingehaucht bekommt. Bernhard Willers Dirigat zündet und inspiriert. Willer besitzt jenen sicheren Instinkt für die oft zu leicht genommene Operette. Alles was beim Zusammenspiel über die Rampe kommt, ist instrumental problembereinigt, atmet Sachvertrautheit. Die Dame verhext und inspiriert. Der mitreißende G-DurWalzer tanzt auf erotischen Abwegen und ob es der eine oder andere Zuhörer im Saal registrierte? Das schwelgerische Dahingleiten erlangte als Titelmusik zu Helmut Dietls TV-Kult „Kir Royal“ enorme Popularität.

Nur mit „supercalifragilsticexpialidocious“ zu umschreiben ist die Wiedergabe eines orchestralen Arrangements zu Walt Disneys-Evergreen „Mark Poppins“. Die oscargekrönten Lieder von Richard M. Sherman bräuchten eigentlich keine Aufwertung durch ein Blasorchester. Aber „A Spoonfull of Sugar“ entfacht neue Qualitäten und wenn im ausladenden Bläsersound „Chim-Chim-Cheree“ mehr und mehr an Klangvolumen aufbietet, dann erblüht das London vor dem Ersten Welt­krieg in Technicolor. Zugleich gestehen sich ein Kindermädchen und ein Schorn­steinfeger zwischen dem Liedtext ihre zärtlich zurückhaltende Liebe. Melodisch frisch, ungeniert romantisch und zündend gelingt diese Hommage an ein Hollywood, das man vermisst.

 
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