Auf geht’s, pack ma’s – doch diesmal nicht auf Bayerisch, sondern auf Lateinamerikanisch, dachten wir uns zum diesjährigen Frühjahrskonzert der Blaskapelle. Und so wurde ein Parforceritt durch Südamerika daraus. Der Kontinent bietet von den Anden bis zur Copacabana einen unerschöpflichen Schatz an musikalischer und kultureller Vielfalt.
Los ging’s mit dem Nachwuchsblasorchester, das mit dem klassischen Bolero-Mambo ¿Quién será? gleich im Sway-Wiegeschritt über den Atlantik nach Mexiko groovte. Schwungvoll blieben die Musiker auch mit Hernando’s Hideaway, einem Tango aus dem Broadway-Musical The Pajama Game.
Bei der energievollen Conga in einem Marching-Band-Arrangement des Jugendblasorchesters wusste man nicht, ob man mitmarschieren oder lieber mit kreisenden Hüften mittanzen wollte. Die von Enrique E. García komponierte Melodie wurde durch Gloria Estefan und Miami Sound Machine weltbekannt.
Darauf wurde es argentinisch mit einem weiteren Tango. Der englische Komponist Adam Gorb schrieb A Little Tango Music für Blasorchester. Es fängt den feurigen Tanz spielerisch ein: ein bisschen Drama, ein bisschen Eleganz und diese typische Spannung, die im Tango mitschwingt. Den Abschluss machte Latin Gold! Das Medley verband Melodien, die keinesfalls bei einem Lateinamerika-Programm fehlen dürfen: den 50er-Jahre-Instrumentalhit Tequila, Oye como va von Gitarrenlegende Carlos Santana und den Rock‘n’Roll-Klassiker La Bamba von Richie Valens.
Das Große Blasorchester eröffnete seinen Programmteil mit dem südamerikanischen Marschklassiker San Lorenzo vom uruguayischen Komponisten Cayetano Alberto Silva. Der Titel erinnert an die Schlacht von San Lorenzo im Jahr 1813 – ein historischer Moment in den südamerikanischen Unabhängigkeits¬bewegungen. Anschließend entführte das GBO in die Llanos, die weiten Graslandschaften, die sich von Venezuela bis nach Kolumbien erstrecken. Der Joropo ist ein traditioneller Musikstil bzw. Paartanz. Er wurde 2025 in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.
Bei einem Lateinamerikaprogramm nicht fehlen darf der Libertango von Astor Piazolla. Er gilt als die Geburtsstunde des Tango nuevo. Die Komposition des berühmten Tango-Komponisten stammt aus dem Jahre 1974. Der Titel setzt sich zusammen aus den Wörtern Libertad (Freiheit) und Tango. Er markiert Piazzollas Übergang vom klassischen Tango zum Tango Nuevo, eine Weiterentwicklung mit Jazz-Elementen und der aufkommenden elektronischen Musik.
Wenn es ein Stück gibt, das regelmäßig beweist, dass Konzertmusik auch „Gänsehaut plus Groove“ kann, dann der Danzón No. 2 von Arturo Márquez. Er stammt ursprünglich aus der Tanztradition Mexikos – elegant, sinnlich und mit viel rhythmischer Raffinesse.
Was passte besser zum Abschluss des ersten Teils unseres Konzertes als der Danza Final – der „letzte Tanz“ von Alberto Ginastera, einem großen argentinischen Komponisten. Seine Musik ist gleichzeitig folkloristisch und modern. Gerade deshalb kennt man das Stück auch aus Filmen wie The Matrix Reloaded.
Den zweiten Teil des Konzerts eröffnete das Sinfonische Blasorchester mit Melodien aus der West Side Story von Leonard Bernstein. Die Handlung der West Side Story ist eine Übertragung von William Shakespeares Tragödie Romeo und Julia in das New York der 1950er-Jahre. Die Liebesgeschichte spielt vor dem Hintergrund eines Bandenkriegs zwischen rivalisierenden Jugendbanden. Zunächst spielte das SBO ausgewählte Teile aus den Symphonic Dances in der Bearbeitung von Paul Lavender. Im Anschluss daran gab es ein Medley aus der West Side Story.
Mit Cuco Rojas führte die Lateinamerikareise wieder zurück in die Weiten der Savannen. Cuco Rojas ist eines der bekanntesten Werke des kolumbianischen Komponisten Victoriano Valencia Rincón. Am Anfang und am Ende ist das traditionelle Mañanita zu hören – ein kleines Morgenlied. Es bezieht sich auf die Tradition, jemanden mit Musik zu wecken oder zu ehren, vergleichbar mit einem Standerl, wie es auch die Blaskapelle zu verschiedenen Anlässen spielt.
Zum Abschluss gab es El Camino Real von Alfred Reed – ein Konzertstück, das seit Jahrzehnten ein Publikumsliebling ist. El Camino Real, der „königliche Weg“, ist ein über 900 Kilometer langer Pfad, der einst die spanischen Missionsstationen vom heutigen Mexiko bis nach Kalifornien verband.
Als Zugabe musizierten alle vier Orchester gemeinsam. Passend zu unserem Motto „¡Vamos!“ drehten sie am Schluss noch einmal richtig auf mit Let’s Get Loud, einem echten Latin-Pop-Klassiker von Jennifer López und Gloria Estefan in einer mitreißenden Marching-Band-Bearbeitung von Víctor López. Mehr Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn geht nicht!