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Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn e. V.
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Süddeutsche Zeitung, 15. April 2019

 

Mit einem fulminanten „Gesamtkunstwerk“ über Las Vegas begeistern die Höhenkirchner Blaskapellen bei ihrem Frühjahrskonzert

Aus Liebe zu Frank Sinatra

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Wer selbst noch nicht in der Stadt mit den Abermillionen an Lichtern gewesen ist, der mit Abstand bekanntesten Stadt im US-Bundesstaat Nevada und Wahlheimat von Frank Sinatra, dem wurde am Samstagabend in der Höhenkirchner Mehrzweckhalle eindringlich vorgeführt, wie facettenreich und absurd Las Vegas sein kann. Nach einer Idee von Bernhard Willer, der seit längerem schon den Plan von einem „Gesamtkunstwerk“ hegte, mit dem er der berüchtigten Stadt der Spieler und Prostituierten die Ehre erweisen wollte, erarbeiteten die vier Orchester der Blaskapelle Höhenkirchen eine breite Palette an Stücken, die so unterschiedliche Genres wie Swing, Jazz und Rock’n’Roll umfasste.

Süddeutsche Zeitung, 15.4.2019

Süddeutsche Zeitung, 15.4.2019

Wie üblich bei den Konzerten der Höhenkirchner startete der Abend mit den Jüngsten. Die „Grand Canyon Suite“ von Ferde Grofe zeigte Nevada erst einmal von seiner melancholischen, aber auch majestätischen Seite. Das Nachwuchsblasorchester, geleitet von Konrad Sepp, spielte verschiedene Themen aus dieser Suite von Grofe., der seinerzeit für die Orchestrierung von Gershwins berühmter „Rhapsody in Blue“ verantwortlich war. Zusätzlich gab es noch einen Mambo von Luis Demetrio, der die Stimmung wieder auf heitere Höhen hob. Nach einer kleinen Panne mit der Slideshow hinter der Bühne ging es dann weiter mit dem Jugendblasorchester, ebenfalls geleitet von Konrad Sepp. Mit Musik aus den Shows des Cirque du Soleil, der Titelmusik aus dem James-Bond-Film „Casino Royale“ und dem Samba „Meglio stasera“ von Henry Mancini erfuhren die Zuhörer ein gelöstes Spiel der Musiker, inklusive rhythmischer Finessen und sauberer Forte-Stellen.

Zum Abschluss der ersten Hälfte stimmten die Musiker des Großen Blasorchesters das Publikum auf den zweiten Teil ein. Sonja Weese dirigierte das Orchester mit viel Volumen und arbeitete spannende Profile aus den unterschiedlichen Stücken heraus. Feine Klarinetten-Intermezzi bei dem „Großvater aller Zirkusmärsche“ von Karl L. King, wie es der moderierende Bernhard Willer ausdrückte, ein dicht intoniertes Werk über die Sierra Nevada von Philip Sparke sowie menschliche Affenlaute im „Saul Bossa Nova“ von Quincy Jenes entzückten das Publikum. Eine Vorwegnahme der zweiten Hälfte war schließlich „The Greatest Showman“, das verschiedene Ausschnitte aus dem gleichnamigen Musicalfilm präsentierte.

Willer durfte in der zweiten Hälfte selbst den Showmaster geben, und das mit Erfolg. Der Gymnasiallehrer aus Bruckmühl, Dirigent und Komponist avancierte so zum Liebling des Publikums, als das Thema des Abends zu seiner konzisesten Form fand. Der launige Spaßmacher sorgte für gelungene Unterhaltung, führte das Symphonische Blasorchester geschickt an und traute den Anwesenden auch Experimentelles zu. Er habe schon länger vorgehabt, Las Vegas als Zentrum der Shows und des Glücksspiels zu porträtieren, erzählte er hinterher. Dabei sei es ihm wichtig gewesen, den Big-Band-Charakter bei den Arrangements zu erhalten und gleichzeitig einen eigenen Klang mit der Blaskapelle zu erzeugen. Auf die Frage, woher er seine offensichtliche Neigung zum Showbusiness habe, antwortete er: „Aus dem Unterricht.“ Dort sei das jeden Tag gefragt.

Und so lieferte Willer eine abwechslungsreiche Performance als Showmaster und Sänger, angefangen mit dem durch Sinatra bekannten Jazz-Standard „The Lady is a Tramp“ über ein stimmungsvolles Count-Basie-Medley, bei dem Solist Bernhard Knüpfer an der Trompete mit einem hellen, fast knatternden Farbklang überzeugen konnte, bis zu dem skurrilen Werk „Godzilla Eats Las Vegas“ von dem 1970 geborenen Komponisten Eric Whitacre. Hier band Willer das Publikum interaktiv ein. Am Ende ging dann aber alles wie gewohnt weiter in der Stadt des Exzesses und der Illusionen. Schließlich hieß es: The show must go on. Trotz der Klamauk-Neigung des Stücks mit Schreien zertrampelter Touristen kam das Orchester hier gut an und trug das Ganze mit ein wenig Bombast und viel Selbstironie vor. Das Publikum dankte mit großem Applaus und konnte schließlich mit der zweifachen Zugabe von Willer und dem Wechsel an die Ostküste der USA („New York, New York“ von Sinatra) sogar noch zu Standing Ovations angeregt werden. Showmaster Willer gab später zu: „Ich liebe Frank Sinatra.“ Das hat er an diesem Abend bewiesen. JULIAN CARLOS BETZ

 
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